II. Reden wir über... Wesentliches.

Freitag, 2. Februar 2007

Warten - Isolation

Sphärische Klänge neuzeitlicher Musik, ein Hauch von Kaffee und Zigarettenrauch in der Luft.
Warm ist es hier, aber nicht zu sehr, der winterlichen Kälte der Außenwelt Paroli zu bieten.
Die weichen Sessel und gepolsterten Bänke am Fenster.
In unvorhersehbaren Abständen fällt das Licht aus – ein Techniker im Erdgeschoss, der mit wenig Erfolg eine Lampe zu reparieren versucht.
Schon eine halbe Stunde, und noch immer ist niemand aufgetaucht. Gelegentliches Nippen an der Kaffeetasse, ein flüchtiger Blick nach Draußen, ein flüchtigerer Blick auf die Uhr.
Warten.
Draußen eine Frau, die ihren Hund zurückzerrt. Er hatte versucht, eine nahe Taube zu erhaschen. Hund und Frau teilen beinahe die gleiche Haarfarbe.
Ein Mädchen, einen Becher in der Hand, die sich müde die Augen reibt. Es ist noch früh.
Ein neues Musikstück setzt ein, der Rhythmus unverändert.
Nut gut, dass sich etwas zu lesen in der Tasche findet, etwas zu tun angesichts des Alleinseins und des eigenen Schweigens. Nicht, dass man der einzige wäre, der allein hier ist. Aber die anderen beiden – Männer, abgeschottet hinter ihren Laptops – scheinen aus freien Stücken ohne Begleitung hier zu sein.
Der Rest, wenn nicht schon in Unterredung vertieft, wartend, auf en Stück Zweisamkeit, ein gutes Gespräch in angenehmer Atmosphäre, bevor man wieder seiner Alltäglichkeit nachgeht.
Die nächste Viertelstunde, aber bar jeglicher Ungeduld, bar jeden Gefühls des Mangels. Für einen Augenblick die Erkenntnis fundamentaler Genügsamkeit in der Gesellschaft des eigenen Seins. Nichts, das fehlt, und ein zweiter Mensch wäre nurmehr eine Ergänzung, kein Ausgleich eines Mangels. Freudig aufgenommen, aber keinesfalls Notwendigkeit.
Gegenüber ein Mann, Milchkaffee und Frischkäsebrot, der ein winziges Apple-Notebook aufklappt. Nur Männer, die ihr Alleinsein hinter dem Mäntelchen der Betriebsamkeit tarnen?
Aber auch ich tue mich geschäftig, indem ich das hier schreibe.
Die nächste Viertelstunde.
Wir leben in einer Gesellschaft der Kleinstgemeinschaften. Anders ginge es auch kaum in einer Großstadt. Jeder von uns hat sein Netzwerk aus Freunden und Bekannten, Kreise, die sich um ihn ziehen und sich beizeiten überschneiden mögen, aber letztlich sind auch wir isoliert.
Ich wünschte, ich hätte meinen Laptop mitgenommen, um mich ebenfalls zu tarnen. Kastendenken, jetzt und ehedem.
Das Internet, dass uns, wie alle Medien, und hier im Besonderen, das Gefühl gibt, Teil einer größeren Gemeinschaft zu sein. Wir erlangen einen nur allzu fragilen Schein der Zugehörigkeit zu etwas größerem, zu Welt. Aber dem ist nicht so; zumindest gibt es kein Pendant des Virtuellen in der realen Welt – und sind Freundschaften, die nur im Cyberspace existieren, vollends real? Wir reden mit Phantomen, die oft nur aus Zeichen und Symbolen bestehen, und wägen uns verbunden mit realen Menschen.
Eine Illusion sicherlich.
Drei Männer hinter ihren Notebooks.
Und so werden wir immer mehr zu Inseln, zu Monaden in einem Strom der Zeit, die uns immer mehr die Fähigkeit nimmt, mit den Menschen, die wirklich um uns sind, zu interagieren.
Mir geht es ja nicht anders.
Mehr als eine Stunde inzwischen. Ein flüchtiger Blick auf die Uhr, ein flüchtiger Blick durch das Café.
Da – noch ein Laptop, aber diesmal, zwei Menschen gemeinsam. Zumindest dies.
Aber ich weiß, ich bin nicht allein. Dort im Gebäude auf der anderen Straßenseite, ein Mensch, ein Liebster. Ich kann das Licht im Seminarraum von hier aus sehen. Bald vielleicht da – eine letzte Zuflucht im isolierten Raum, ein gemeinsames Mittagessen, ein paar Worte des Zusammenhalts.
Jetzt lohnt es sich auch nicht mehr, nach Hause zu gehen.
Drängen die neuen Medien der Kommunikation uns in das Alleinsein? „Es scheint so viel einfacher, sich über den Messenger zu unterhalten“ – Zitat meiner Mitbewohnerin gestern Abend. Verlernt der Mensch so die Fähigkeit zum näheren Austausch?
Doch ja, es ist einfacher. Im Cyberspace können wir nur unsere gute Seite zeigen, nur die positiven Dinge, die uns ausmachen. Wir stilisieren uns ein künstliches Selbst, das unserem wahren Ich kaum noch entsprechen muss. Wir können die Antworten, die wir geben wollen, bedenken und das Gespräch beenden, wenn wir keine Lust mehr haben. Die Lüge lässt sich leichter tarnen, wenn sie hinter Buchstaben und Symbolen verborgen bleibt.
Der Mensch tendiert dazu, den einfachsten Weg zu gehen, wenigstens das ist über die Zeiten unverändert geblieben.
Ich komme mir veraltet vor, wie ich hier, an dieser Schnittstelle zum virtuellen Raum, sitze und mit Kugelschreiber auf Papier kritzle. Sicherlich werde auch ich in ein paar Stunden diese Worte in dem Äther schicken.
Aber nun – wie unglaublich analog!
Inzwischen habe ich jegliche Hoffnung aufgegeben, dass meine Bekanntschaft noch auftauchen könnte – es ist beinahe Mittag. Nicht, dass ich mich beschweren will – alles ist gut, so wie es ist. Im Moment jedenfalls.
Ich sollte mich öfter allein in ein Café setzen, überlege ich, während ich noch ein wenig den Menschen durch das Fenster zuschaue. Es hat etwas Entleibendes an sich, dieser komplette Rückzug in die Beobachter-Position, dieses Nicht-Interagieren-Müssen. Ich könnte hier sein, oder auch nicht – ich könnte in diesem Augenblick gehen oder noch zwei Stunden verweilen. Es macht keinen Unterschied.
Und dies, das grundlegende Problem menschlicher Gesellschaft, wird mir hier zum Segen in der Erkenntnis, dass es jetzt und hier nicht wichtig ist - dass es keinen Unterschied macht. Nur in dem Faktum, dass ich unbeteiligt bin, gelingt es mir gleichsam, alles wahrzunehmen und Zusammenhänge zu sehen.
Wäre ich zu zweit hier, würde das Gespräch die Beobachtung beanspruchen. Was ebenso in Ordnung wäre.
Noch ist mir nicht langweilig, noch verweile ich in meiner Mitte.
Der Mann mit dem winzigen Notebook ist gegangen, ohne dass ich es mitbekommen hätte. Vielleicht hat er sich auch einfach in Luft aufgelöst und es fiel lediglich niemandem auf, weil ich niemand die Mühe machte, Notiz zu nehmen. Wer weiß.
Zwei Stunden, ich sehe die Menschen zum Mittag aus der Uni strömen.
Was meine Bekannte wohl gerade macht, frage ich mich, und warum sie nicht hier war. Aber ich bin entfernt davon, mir Sorgen zu machen. Wahrscheinlich hat sie es einfach vergessen. Hätte ich ja auch beinahe. Letztendlich ist es unwichtig.
Eine Frau mit schlohweißen Haaren und einem roten Hut. Was soll man dazu sagen?
Vielleicht gehe ich gleich weiter, noch ein wenig durch die Stadt. Vielleicht bleibe ich noch ein wenig hier sitzen und lausche indiskret dem Gespräch der Menschen neben mir.
Es macht keinen Unterschied.
Und irgendwo im meinem Bewusstsein sagt mir ein Stimmchen, dass auch das nur eine Illusion ist.

Sonntag, 3. Dezember 2006

Schweigen -

weil es kaum etwas zu sagen geben kann,
in der Stille zwischen uns.
Zusammen.
Und doch, wir wissen,
was wir einander bedeuten.
Hoffen es zumindest.

Stille,
weil Worte so unzulänglich sein können, beizeiten.

[ "Ich habe nun einmal nie geglaubt, dass ich in diesem Leben noch glücklich sein könnte", sagtest du -
und wie hätte ich auch anders gekonnt, als dich in den Arm zu nehmen? ]

Und ich, in Liebe einem Menschen zugetan,
der, wieviel Leid er auch erfahren haben mag,
um so viel schöner ist als manch anderer.

"Ich liebe dich", das nur will ich dir sagen, auch wenn ich es nicht sagen kann.

Noch nicht.

Auch wenn diese Worte, so oft schon benutzt,
kaum das Ausmaß dessen wiederspiegeln.
was ich für dich empfinde.

All dies in zwei Tagen. Samstag, Sonntag.
So wenig. Auch das - so schnell verrinnt die Zeit.
Und da wunderst du dich,
wenn ich Tränen nur mit Mühe unterdrücken kann,
wenn du vom Tod sprichst?

Nie scheinen wir genug zu haben - genug Zeit, um nur zu sein. Zusammen.

Mittwoch, 11. Oktober 2006

Einfache Wahrheiten [1]

Die raren Momente, in denen klar wird, dass das Menschsein an sich eine Aufgabe ist, die es zu bewältigen gilt.
Wir alle sind unfertig, "unvollendet", und müssen sehen, gleich auf einer Reise ins Ungewisse, dass wir uns vollenden.
Nur gut, dass es andere Menschen gibt - -
Wie Steine, die aneinander reiben, schleifen wir langsam gegenseitig unsere Ecken und Unstimmigkeiten ab und werden irgendwann perfekt.
Vielleicht.
Zumindest Hoffnung bleibt.

Denn warum streitet man sich, gerät aneinander, wenn man sich doch liebt?
Wenn man für den anderen nur Glück und Freude - "das Beste" - will?

Gut, dass wir uns im Umgang mit anderen Menschen immer wieder üben müssen.
Und dass wir die Chance haben, daran zu wachsen und aus Fehlern zu lernen.
Vielleicht allein um der simplen Erkenntnis willen, dass Liebe doch das wichtigste ist.
Wir alle, die auf diesem Weg lernen müssen, dass es die Wahrheit ist, mag es auch pathetisch klingen.

Und bis dahin, solange wir noch ungeschliffen sind, mit Ecken und scharfen Kanten, mit denen man andere Menschen schneiden und verletzen kann, muss man wohl einfach versuchen, so wenig Schaden wie möglich anzurichten.
Auch dazu dient sicher der nahe/nähere Kontakt zweier Menschen, die zueinander mehr empfinden als "Freundschaft" -
zu lernen, wie unwichtig und gleichzeitig wichtig das eigene Ego ist.
Dass es zu einer Waffe werden kann, den anderen zu verletzen.

Dienstag, 3. Oktober 2006

Erkenntnis.

Gerade festgestellt, warum"Wendekreis des Krebses" von Henry Miller nun wirklich als eines der besten Bücher des 20. Jahrhundert bezeichnet werden kann.
Noch nie so unglaubliche und tief "bewegende" - auch wenn es das nicht trifft -, dabei so wahre Betrachtungen über den Zustand der Welt gelesen, als dort soeben.

"...Alles ist in eine Sekunde zusammengedrängt, die entweder genutzt oder nicht genutzt wird. Die Erde ist keine dürre Hochebene des Heils und der Bequemlickheit, sondern ein großes, hingestrecktes Weib mit samtenem Rumpf, der sich mit den Wogen des Meeres hebt und senkt ..."

"...Seite an Seite mit der Menschegattung geht eine andere Gattung einher, die Unmenschlichen, die Gattung der Künstler, die, von unbekannten Impulsen getrieben, die leblose Masse der Menschheit hernehmen und diesen trägen Brei mit dem Fieber und dem Ferment, mit denen sie ihn durchdringen, in Brot und das Brot in Wein und den Wein in Gesang verwandeln. Aus dem toten Kompost und der stumpfen Schlacke erzeugen sie ein mitreißendes Lied..."

Samstag, 23. September 2006

Sehnsucht

Die schmerzliche Sehnsucht, die zwei Menschen dazu treibt, sich immer wieder zu suchen, sich beizeiten zu finden.
Schmerzlich, weil auf ewig unerfüllt, die Suche nach der Vereinigung des Körpers wie auch des Geistes.
Als (schaler) Vorgeschmack hier wohl der Geschlechtsakt, doch auch hierin ist man noch verschieden,
getrennt voneinander und der eine kann kaum erahnen, was der andere empfindet.
Ein einzelner glorreicher Moment nur, in dem die Sehnsucht endet, nicht weil sie Erfüllung findet,
sondern weil sie sich auslöscht, gleichsam in gleißendem Licht. Deshalb auch "der kleine Tod".
Auflösung der Sehnsucht wie auch im Schlaf,
in welchem uns - und soviel zur Einschränkung - noch der Traum in die Quere kommen kann.
"Wer schläft, liebt nicht", stimmt so nur bedingt, denn kaum jemals sind Gefühle intensiver, als wenn wir sie im Traum empfinden.
"Wer tot ist, liebt nicht", - wer weiß das schon?

Was uns bleibt ist weiterhin Sehnsucht und Verlangen, nach etwas, vom dem man nicht die geringste Ahnung hat, was es sein mag.
Und mit unseren ach so jämmerlich beschränkten Mitteln, durch die Inkarnation gegeben, suchen wir doch, dieses Geheimnis zu entschlüsseln.

Sonntag, 13. August 2006

Geruchssinn - Sinn für Düfte

Meine neue Tasche richt nach indischem Laden. Nach Gewürzen und Räucherwerk.
Irgendwie freundlich, ein Duft, der dich einhüllt und geborgen macht.
Er erfüllt mein Zimmer, als wäre ein Stück Indien mit nach Hause gekommen.

Mein Haar richt nach St., bei dem ich gestern abend war (der Impunls, "nach meinem Freund" zu schreiben, aber die Phrase ist noch zu fremd, als dass ich die Worte nicht ein paar Sekunden anstarre und dann wieder lösche).
Kleine Erinnerungen an einen schönen Abend, die ich mit nach Hause tragen kann. Und bewahren, zumindest, bis ich das nächste Mal dusche.
Deshalb der T-Shirt Tausch, wenn der andere lange fort ist, ich verstehe. Ein wenig des anderen mittragen, wie in einer Tuppa-Dose.

Und hin und wieder riche ich, durch die Strassen gehend, etwas bekanntes, schönes, und erinnere mich.

Aber Düfte verblassen so schnell.
Wie ist das bei meinen Eltern? muss ich herausfinden, wenn ich wieder zu Hause bin....

Dienstag, 8. August 2006

...

Vielleicht ist es nur so wundervoll, weil wir wissen, dass es enden wird.

Die kleinen Dinge - und die großen: Das Leben.

"Das Leben hat nur dadurch einen Wert, das es endet. Wenn es den Tod nicht mehr gibt, ist auch das Leben nichts mehr wert."

(Und dennoch ist es traurig. Dagegen kann man wohl nichts tun.)

Freitag, 28. Juli 2006

Warum eigentlich -

* Das, mit dem wir unsere Umwelt wahrnehmen: "Sinne"
* Das, was wir dem Leben geben wollen: "Sinn"

- sinnlich, sinnlos

--> gleicher Wortstamm - gleiche Bedeutung?


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Wer transzendiert wen - das Leben, die Kunst?

--> Leben geht immer voraus, nicht wahr?

Donnerstag, 27. Juli 2006

Stimmungen...

... die sich beinahe von Minute zu Minute ändern können in letzter Zeit.
Ich, ganz gut drauf und alles ist la-la-la, und plötzlich könnte ich nur noch weinen.
Weil das Leben gerade so nett ist?
Und ich mich selber deprimiere, anstatt den Moment wirklich genießen zu können.
An Morgen denke, und nicht im Jetzt lebe,
als hätte ich nichts gelernt.

Vollkommen verschwurbelt, gleichzeitig glücklich und am Boden zerstört zu sein,
weil man weiß, dass das Glück nicht andauern kann
und der Morgen kommen wird.

Mittwoch, 26. Juli 2006

Und was schreibe ich jetzt darüber?

Darüber, wie die letzte Nacht war?
Wie wunderbar es war, neben jemandem aufzuwachen, im Dämmerlicht des beginnenden Morgens all diese Schönheit und Wärme und Haut, die man berühren kann und Geborgenheit und...

Nein, ich schweige einfach diesmal, lächelnd...

I. Ich & die Welt.
II. Reden wir über... Wesentliches.
III. Ueberlebenswichtig.
V. Filmwelten.
VI. Alles andere.
VII. Alltägliches.
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